keyvisual



Home
Persönlich
New York
Jugendseelsorge
Spiritualität
Geistli. Worte/Radio
Gottesdienste
Fotoalbum
Faszination Orgel
Gästebuch
Links
Kontakt

 

 Und?

Auf welcher Säule ruht dein Leben?

 

 

Ein Interview

 

 

 

Seit August 2008 ist er im Amt, Kaplan Daniel Schilling, Kreisjugendseelsorger im Kreisdekanat Mettmann. Erfahrungen in der Jugendarbeit hat er bisher reichlich gesammelt. Drei Jahre war er Jugendkaplan in Waldbröl, danach vier Jahre lang in Kaarst. Eine schöne Zeit, eine erfüllende Zeit, meint der neue Kreisjugendseelsorger: „Wichtig war mir dabei immer, den einzelnen Jugendlichen ernst zu nehmen, in diesem Lebensbereich, in dem so viel zu entscheiden ist, sie zu ermutigen und sie auch kritisch zu hinterfragen.“ Dabei ging es ihm weniger darum, Tipps zu geben für das Leben, es besser zu wissen, sondern darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu schärfen: „Die jungen Menschen sollen nach dem Leben greifen, es begreifen, sie sollen es leben. Und ihr Selbstbewusstsein schöpfen sie nicht allein aus ihren Leistungen, aus den Dingen die sie schaffen. Sie sind mehr wert, als die Durchschnittsnote auf ihrem Zeugnis. Sie sind so wie sie sind gewollt, nicht zufällig, sondern von Gott gewollt. Sie haben einen Platz im Leben der Welt, können diesen Platz verändern, dürfen und sollen ihn selbst gestalten.“ Und mit Blick auf die eigene Person ergänzt er: „So, wie auch ich jetzt einen neuen Platz habe, an dem ich gestalten kann.“

 

Der Wechsel ist nicht einfach, bemerkt Daniel Schilling. Die Arbeit in einer Gemeinde ist gut strukturiert, viele Dinge wie Erstkommunionvorbereitung und Firmgruppen stehen selbstverständlich auf dem Jahresplan. So einfach ist es im Amt des Kreisjugendseelsorgers nicht. Im Moment geht es um Orientierung. Wer arbeitet wo in diesem riesigen Kreis, welche Gruppierung gibt es, wo ist Mitwirkung und wo ist eigenes Gestalten gefragt? „Ich finde es gut, dass man mich sehr offen empfangen hat. Es gab Anfragen für Firmlingsbeichten und für Jugendmessen. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die Jugendseelsorgerinnen und Jugendseelsorger habe ich zum großen Teil bereits besucht, habe an einer tollen Aktion des Arbeitskreis Ministranten teilgenommen, und ich finde die Arbeit in den Katholischen Jugendwerken spannend. Da sehe ich viele Möglichkeiten, in Offenen Ganztagsschulen und in der Offenen Jugendarbeit mitzuwirken.“

 

Da tut es gut, dass die Kontakte zu den Jugendlichen seiner alten Wirkungsstätten nicht abbrechen und Jugendliche auch bei persönlichen Fragen und Problemen ihren alten Kaplan noch mal anrufen oder per Internet Kontakt aufnehmen, Fragen zum Thema „Liebe“ stellen, was denn Liebe ausmacht, was denn „satt macht im Leben“. „Ich will dann vor allem zuhören, ein Stück Lebensweg mitgehen. Und ich frage dann, was Gott uns in diesem Moment sagen will.“ Im Februar 2009 hat Kardinal Meisner ihm den Titel "Pfarrer" verliehen.

Das Interview wurde durch Uli Keip geführt.

 

♦♦♦

 

 

Ein Jugendlicher schrieb mir einmal eine Mail. Es kam zu einem interessanten Gedankenaustausch, der viel über mein Leben erzählt. Diesen Text könnt ihr hier mal nachlesen.

 

 

Berufung konkret!

  

 

Lieber Daniel!

Ich habe schon öfters darüber nachgedacht, ob ich nicht Priester werden sollte. Gott und Kirche sind mir sehr wichtig, aber so vieles scheint dagegen zu sprechen: eigene Frau, Familie, Freunde usw. Was würdest Du mir raten? Liebe Grüße Gregor (16 Jahre)

 

Lieber Gregor!

Ich habe mich sehr über Deine Email gefreut. Als erstes möchte ich Dir sagen, dass ich all Deine Gründe und Sorgen, die gegen den Weg des Priesters sprechen, sehr gut verstehen kann, und ich finde es sehr gut, dass Du sie so offen ansprichst. Ob man auf eine Frau und Familie verzichten kann und will, sollte man sich tatsächlich ganz genau überlegen. Aber es ist auch so, dass man diese Frage nicht vorschnell, sondern nur im Laufe der Jahre beantworten kann. Ich habe mir jahrelang diese Frage gestellt, ob das geht, und ich das kann und will. Wenn es um den Weg des Priesters geht, muss man sich zunächst bewusst machen, dass es hier nicht zuerst um meine eigene Entscheidung geht, ob ich das will oder nicht, sondern dass es um eine Berufung, nicht um eine Berufswahl geht. Die entscheidenden Fragen lauten: Was will Gott mit mir, welchen Weg will er mit mir gehen? Hierbei ist wichtig zu bedenken, dass Gott letztlich nur ein Ziel hat: Er will mich und die Menschen, mit denen ich zu tun habe, glücklich machen. Der Weg des Priesters ist nicht zuerst ein Weg des Verzichtes, auch wenn das nach Außen vielleicht so aussieht, sondern ein Weg, der mich erfüllen will.

 

Für mich war immer klar, dass ich z.B. nicht auf meine Freunde verzichten will und das muss ich auch nicht. So verbringe ich jede Woche Zeit mit ihnen und das ist mir auch sehr wichtig. Ohne Freunde, ohne gute Beziehungen zu Menschen, die man liebt und die einen lieben, kann man einen solchen Weg nicht gehen.

 

Ich sag es Dir ganz offen, ich bin immer wieder auch traurig, das ich keine Ehe führe und so auch keine Kinder habe, aber ich werde vom Herrn doch sehr dafür entschädigt, wenn ich jeden Tag neu erlebe, welch großen und bedeutsamen Auftrag ich in der Gemeinde habe und dass ich ein Mitarbeiter Gottes sein darf. Ich bin nun seit fast 3 Jahren Priester und ich habe es in keinem Augenblick bereut, Priester geworden zu sein, ganz im Gegenteil. Wenn ich jetzt sterben würde, wäre ich sehr glücklich und hätte den Eindruck nichts verloren, sondern sehr viel gewonnen zu haben. Wenn das alles vielleicht sehr blumig klingt, soll das nicht heißen, dass es immer sehr einfach ist, diesen Dienst an Gott und den Menschen zu tun. Bestimmt nicht! Es gibt schon Tage, wo es mir sehr schwer ums Herz ist, an denen ich leide, wenn ich aber dann auf die innere Stimme Gottes in mir höre, diese leise und sehr liebevolle Stimme dessen, der mich wirklich kennt, dann spüre ich allerdings sehr deutlich, dass er mir sagt: „Mein geliebtes Kind ich bin so froh, dass du mein Priester geworden bist." Und genau diese innere Stimme, diese konkrete Beziehung zu Gott ist es, die es mich schaffen lässt, den Weg des Priesters zu gehen und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb als Priester ein glücklicher und erfüllter Mensch zu sein.

 

 

Mein lieber Gregor! Der Weg des Priesters ist nicht zuerst Verzicht, sondern Geschenk, Geschenk für uns selber, aber auch für die Menschen, mit denen wir zu tun haben. Stell Dir vor: Ich spreche mit Menschen über ihr Leben, sie offenbaren mir ihre Fehler und Sünden und „ich“ darf sie von ihrer Schuld befreien, weil ER mich dazu ausgesucht und bestimmt hat. Oder Menschen, die krank und verzweifelt sind, ihnen darf ich die Krankensalbung spenden, oder die Kommunion bringen und ihnen damit sagen, dass sie in ihren dunklen Stunden nicht alleine sind. Ich darf mit der Gemeinde die Heilige Messe feiern und den Menschen als Priester sagen, was Gott mit ihnen vor hat, was er von ihnen will und wie sehr er sie liebt  und an ihrem Lebensweg Anteil nimmt. Ich darf Kinder taufen, ihnen von Gott und seinem Reich der Liebe erzählen, sie zur Kommunion führen und ihnen Lebensmut machen. Ich darf mit Jugendlichen über Gott diskutieren und ihnen von meinen Überzeugungen erzählen und spüren, dass sie sich tatsächlich in ihrem Leben auf die Suche nach Gott machen. Ich darf Menschen auf dem Weg zur Ehe begleiten und auch versuchen ihnen zu helfen, wenn es kriselt. Ich darf sogar dann für sie da sein, wenn sie sterben. Und das alles darf ich tun, nicht weil ich toll bin, sondern die Botschaft Jesu, die stärker ist als alles. Weil Gott zuerst und letztlich so großartig ist.

 

Ich bin mir gewiss, wenn Du immer mehr mit Gott ins Gespräch kommst und auf diese leise Stimme in Dir hörst, wirst du sehr deutlich hören, was er Dir sagt. Eins ist noch wichtig:

 

Er wird Dich nicht überrumpeln, er wird zusammen mit Dir den Weg suchen, der für Dich der richtige ist, der Weg, der Dich glücklich machen wird, weil er Dich erfüllen, Dein Leben sinnvoll machen wird.---

 

Du musst die Menschen lieb haben, so wie sie sind und wenn Du selber keine Sehnsucht nach Beziehung, nach Ehe und Familie hättest, dann wärest Du bestimmt auch nicht der Richtige für diesen Weg. Nur in einem Menschen, in dem die Sehnsucht nach Liebe und Beziehung brennt, kann auch der Wunsch immer deutlicher werden, dass er Priester werden will, weil er so zusammen mit Gott und den Menschen versucht den Weg der Liebe zu suchen und zu gehen.

Bei allen Schmerzen, Traurigkeiten und Sehnsüchten, die ich in mir spüre, bin ich ein sehr glücklicher Priester Gottes. So grüße ich Dich ganz herzlich und freue mich darauf von dir zu hören.

Dein

Pfr. Daniel Schilling +

 

 

 

Top